Chronik

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Rethen




Um Feuerschutz bemühte man sich in Rethen schon, solange es Bürger und Häuser gab. Zunächst hatten alle miteinander genügend Wasserbehälter für eine sogenannte “Eimerkette”. Später wurde
dann eine Handdruckspritze von der Gemeinde bereitgestellt.

Ein Großfeuer im Jahre 1904, bei dem das Anwesen des Köthners Heinrich Heumann Nr. 12 niederbrannte, hatte bei den Bürgern wohl einen ziemlichen Schrecken hinterlassen, sodass Stimmen zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr laut wurden.

Da 1905 die Anschaffung einer neuen und moderneren Handdruckspritze von der Gemeinde beschlossen wurde und in einigen Nachbarorten, so in Meine, seit 1904 schon eine freiwillige Feuerwehr bestand, berief der Gemeindevorsteher Christian Hinze am 09. Oktober 1905 eine Versammlung ein, um über die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr zu beraten. Die Versammlung war gut besucht und der Gedanke der Gründung fand so große Zustimmung, dass die “Freiwillige Feuerwehr Rethen” sofort mit 42 Mitgliedern ins Leben gerufen wurde.

Am 12. Oktober 1905 wurden dann die Züge eingeteilt und die Zugführer gewählt. Danach wurden die Statuten vorgelesen, besprochen und genehmigt.

In zwei weiteren Versammlungen im Oktober 1905 wurde die Anschaffung von Uniformen und Ausrüstungen besprochen und die Firma Biewende in Fallersleben mit der Lieferung der Röcke, sowie die Firma Beutnagel in Braunschweig mit der Lieferung der Ausrüstung beauftragt.

Unter Leitung des Hauptmanns fand am 17. Dezember 1905 die erste Übung in voller Uniform und Ausrüstung statt. Da die Übung zur allgemeinen Zufriedenheit verlaufen war und der Kaiser gerade in Braunschweig weilte, wurde die anschließende Zusammenkunft mit einem dreifachen “Hoch” auf seine Majestät begonnen und gemütlich gefeiert.

Im März 1906 wurde die Wehr zum ersten Brandeinsatz gerufen. Es brannten Wohnhaus und Stallungen des Kohtsassen E. Meinecke in Meine. Rethen traf als zweite auswärtige Wehr am Brandplatz ein und erhielt von der Brandkasse eine Spritzenprämie von 37,50 RM. Von der Alarmierung bis zum Einsatz waren trotz Pferdebespannung nur 22 Minuten vergangen.

Nach diesem Brandfall wurde festgelegt, dass außer Hauptmann, Stellvertreter und Adjutant auch die 3 Zugführer zum Kommando gehören sollen. Ferner wurde beschlossen, dass alle Mitglieder versichert werden sollen und dass der Spritzenmeister nach jeder Reinigung der Spritze dem Hauptmann meldet, dass dieselbe bereit steht.

Ein Fehlgeld von 0,75 RM wurde am 26.03.1906 beschlossen. 1906 wurde die Wehr noch weitere 5 mal alarmiert. Es brannte in Meine, Vordorf, Leiferde, Eickhorst und am 26. November in Rethen bei Tischler Gaus. Das Feuer war durch die Explosion einer Petroleumlaterne ausgebrochen, konnte aber mit Unterstützung der Wehren aus Adenbüttel. Lagesbüttel. Walle und Vordorf auf seinen Herd beschränkt werden.

Bis zum Ende des 1. Weltkrieges wurde die Wehr seit der Gründung zu 21 Brandeinsätzen gerufen. Von 39 aktiven Mitgliedern wurden nach und nach 23 Kameraden zu den Fahnen gerufen. Um die Schlagkraft der Wehr sicherzustellen wurden in den Kriegsjahren zusätzlich Pflichtmannschaften aufgestellt. Gefallen ist ein Kamerad, einer schwer und sechs leicht verwundet.

Am 11. Februar 1919 wurde eine Versammlung zur Begrüßung der heimgekehrten “Krieger” abgehalten. Die erste Korpsversammlung mit Neuwahl wurde am 18. Februar 1919 durchgeführt. Als Hauptmann wurde Heinrich Hinze wiedergewählt. H. Reinecke wurde als Stellvertreter neu gewählt.

In einer außerordentlichen Korpsversammlung am 20. Oktober 1921 wurde die Gründung einer Musikkapelle besprochen und beschlossen. Zur Anschaffung der Instrumente wurde bis zum folgenden Sonntag die Stolze Summe von 3050 RM gespendet.

Vom Ende des 1. Weltkrieges bis zum Jubiläumsjahr 1930 brauchte die Wehr nur zu sechs Bränden ausrücken. Am 15. und 16. Juni 1930 fand in der Michelschen Gastwirtschaft des 25jährige Stiftungsfest, verbunden mit dem 24. Kreisfeuerwehrverbandfestes statt. Von den 42 Gründern konnten noch 15 Aktive an diesem Jubiläum teilnehmen. Am 16. Juni haben 27 Wehren an diesem Fest teilgenommen.

Nach 12jähriger Tätigkeit als Brandmeister trat der Hauptmann C. Knupper aus Altersgründen zurück und H. Reinecke wurde zum Brandmeister gewählt. Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurden 9 Kameraden eingezogen und passive Mitglieder unter 60 Jahren und andere Gemeindemitglieder zum Feuerwehrdienst mit herangezogen.

Am 24. August 1944 bekam unsere Gemeinde die Ausweitung des Bombenkrieges zu fühlen. Um 11:30 Uhr überflogen zahlreiche Bomber das Dorf und warfen Spreng- und Brandbomben.
Während die schweren Sprengbomben nördlich des Dorfes ins freie Feld fielen, richteten die Brandbomben innerhalb der Ortschaft großen Schaden an. Es brannten 7 Gehöfte und zahlreiche Holzdiemen und Misthaufen. Die Wehr und mit ihr alle Gemeindemitglieder begannen sofort die Feuer zu bekämpfen. Nach und nach trafen. trotz des noch bestehenden Fliegeralarms, die Wehren aus Adenbüttel, Lagesbüttel, Vordorf, Meine, Didderse und Groß Schwülper ein, die zum Teil schon mit Motorspritzen ausgerüstet bis 07:00 Uhr abends tatkräftig Löschhilfe leisteten.

Bei einem Besuch des Kreisbrandmeisters Saevecke aus Wittingen im Herbst 1945 wurde Brandmeister H. Reinecke auf eigenen Wunsch aus dem aktiven Dienst verabschiedet und H. Hintze 21 an seiner Stelle zum Brandmeister gewählt.

In der Nacht von 19. Juni 1948 zum 20. Juni 1948 hatte die hiesige Wehr einen besonderen Dienst zu versehen. Das neue Geld war eingetroffen und wurde von fünf Wachgruppen von je sechs Mann im Wechsel von zwei Stunden bewacht. Die Auszahlung der DM verlief ohne Zwischenfälle.

Am 30. Januar 1949 wurde der Wehr durch die Freiwillige Feuerwehr Gifhorn die neue Motorspritze überbracht und sofort ausprobiert.

In den ersten 50er Jahren tat sich unsere Wehr bei den neu eingeführten Wettkämpfen besonders hervor. Zum 50. Gründungstag wurde ein Kameradschaftsabend abgehalten, bei dem die Gemeinde für 24 neue Kameraden neue Röcke überrechte. Es lebten noch sechs Gründer.

Am 10. Juni 1956 fand dann das 50jähriege Stiftungsfest statt, an dem außer zahlreichen auswärtigen Wehren und allen örtlichen Vereinen auch noch vier Gründer teilnehmen konnten.

Im Oktober 1958 wurde unsere Motorspritze durch eine von der Gemeinde finanzierte Ziegler TS 8 ersetzt und die Halle des Krankenwagens vom Roten Kreuz gekauft. Der Umzug in dieses neue “Spritzenhaus” erfolgte am 17. Januar 1959.

Eine weitere Erhöhung der Schlagkraft hat die Wehr durch die Anschaffung des Löschfahrzeuges am 21. Mai 1965 erfahren.

Unter der Leitung des 1978 gewählten Brandmeisters H. Hustedt entstand ein neues Gerätehaus und ein Mannschaftsraum am Gemeindezentrum. Bei den vielen Einsatzstunden und unserer Eigenleistung zeigte sich wieder einmal, dass der Kameradschaftsgeist der Gründer noch immer lebendig ist.

Am 01. April 1983 übernahm Heinrich Voges offiziell die Leitung der Wehr. Während seiner Amtszeit bekamen wir im Jahre 1985 das immer noch vorhandene Tragkraftspritzenfahrzeug zur besseren Brandbekämpfung. Die Erweiterung des Gerätehauses um die sanitären Anlagen und ganz besonders die Gründung unserer Jugendfeuerwehr im Jahre 1988 sind auch seinem Wirken zu verdanken.

Nach 12 Jahren in vorderster Linie machte er im Jahre 1996 seinem Nachfolger Karl-Ulrich Amme Platz, der seither die Geschicke der Ortsfeuerwehr Rethen lenkt. Im Jahre 1998 konnte dank der Spendenfreudigkeit der Bevölkerung unseres Zuständigkeitsbereiches Rethen und Eickhorst ein Mannschaftstransportwagen angeschafft werden.

Das heutige Einsatzgeschehen wird im wesentlichen von technischen Hilfeleistungen bestimmt. Die Löscheinsätze sind zwar in der Minderzahl, dafür aber spektakulärer. In diesem Zusammenhang muss der durch einen Blitzschlag ausgelöste Brand des Wohnhauses Kuk in der Maschstraße erwähnt werden, der unter Mithilfe einiger Nachbarwehren trotz widriger Umstände gelöscht werden konnte. Dies war der dritte Nachteinsatz unserer Wehr an drei aufeinanderfolgenden Tagen, da wir in den beiden Nächsten zuvor schon wegen der aufgrund von Brandstiftung entflammten Osterfeuer in Eickhorst und Rethen ausgerückt waren.

Dank der großartigen Moral und Einsatzbereitschaft unserer Aktiven gelinkt diese wirkungsvolle Feuerwehrarbeit, die wir auch stets bei den Leistungsprüfungen durch vorderste Plätze nachweisen.


Möge unser Kameradschaftsgeist auch in Zukunft viele Kräfte freisetzen, getreu dem


Wahlspruch: -Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr-